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Dienstag, 7. August 2012

Interview mit Peter Müller, Organisator der DCM - Teil 2

Nun endlich folgt der zweite Teil des Interviews mit Peter „KenHopkins“ Müller, einem der Mitbegründer der DCM. Nachdem ihr im ersten Teil bereits etwas über den Privatmenschen und Cosplayer hinter dem Namen erfahren konntet, wird es heute um die DCM gehen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Fotograf: AB_the_diablo

Wie ist das mit der DCM eigentlich entstanden?
Im Grunde aus meiner Vergangenheit als Cosplayer, Jurymitglied und Organisator bei verschiedenen Wettbewerben.  Damals gab es noch keine wirklich ausgearbeiteten Bewertungssysteme. Und erst recht kein Einheitliches. Viele Entscheidungen waren leider nicht nachvollziehbar. Teils wurde rein nach Gefallen gewertet, obwohl die Punkte etwas anderes sagten, oder ein Juror überwertete schlichtweg die anderen Juroren. Auch wurden Auftrittszeiten gerne mal mitten im laufenden Wettbewerb gekürzt, da ansonsten das Programm zu sehr in Verzug geraten wäre. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich gerne einen Wettbewerb sehen würde, der auf Cosplayer zugeschnitten ist. Vor allem große Wettbewerbe waren/sind hier sehr oft rein vom Show-Gedanken getragen und auf Medienwirksamkeit ausgelegt. Da mir dies nicht gefiel, habe ich mich hingesetzt und angefangen, ein Regelwerk zu schreiben. Hierbei war es mir wichtig, dass nur die Punkte bewertet wurden, welche auch ernsthaft bewertbar waren. So macht der Punkt „Ähnlichkeit“ einfach keinen Sinn, solange man kein Bild des Charakters zum Vergleich vor sich liegen hat. Und auch die Machart, ohne das Kostüm genauer betrachten zu können, ist ehrlich gesagt kaum bewertbar, so dass hier eine getrennte Kostümbewertung eben die perfekte Lösung war.
 

Fotograf: AB_the_diablo
Und wie kam es vom allgemeinen Regelwerk dann schließlich zur DCM?
Während ich über neue Bewertungsmöglichkeiten nachdachte, kam Jan Weber mit der Idee, einen deutschlandweiten Wettbewerb aufzuziehen, auf mich zu. Wir haben darüber geredet und ich habe das erste Konzept entworfen. Der Entwurf lief noch unter dem Namen „German Cosplay Mastership“. Bei einem Treffen mit dem Animexx-Vorstand und Vertretern der Frankfurter Buchmesse auf der Yuki Con in Stuttgart wurde 2006 der Name auf „Deutsche Cosplay Meisterschaft“ geändert und im Grunde war das Konzept auch schnell abgesegnet und in trockenen Tüchern.  



Und die Frankfurter Buchmesse war von Anfang an mit an Bord?
Ja, da herrschte von vornherein Begeisterung. Ich hatte im Jahr zuvor dort den Cosplay-Wettbewerb organisiert und man war wohl ziemlich angetan davon, wie reibungslos das abgelaufen war. Mir war es auch wichtig, dass wir eine sozusagen szenefremde Veranstaltung für das Finale begeistern konnten, denn würde man das auf einer reinen Convention durchführen, könnten sich die verschiedenen Veranstaltungen mitunter in die Quere kommen. Außerdem gibt es auf der Buchmesse beste Voraussetzungen in technischer Hinsicht und die Möglichkeit für Generalproben, was auf Conventions einfach nicht geht, da die Bühnen den ganzen Tag über belegt sind.
 

Fotograf: AB_the_diablo
Habt ihr wirklich damit gerechnet, dass sich die DCM so positiv entwickeln und in der Szene etablieren würde?
Gezweifelt habe ich für meinen Teil nie daran. Mir war klar, dass das, was wir da machen, eine gute Sache ist. Und wir haben über die Jahre auch viel am Wettbewerb, am Bewertungssystem und an der Gesamtorganisation gearbeitet. Kritik aus der Szene und vor allem von Teilnehmern nehmen wir hierbei sehr ernst und was sinnvoll ist und den Wettbewerb verbessert, wird in die DCM auch eingebaut. Denn dies ist eine der größten Stärken der DCM: Der Wunsch von Cosplayern, für Cosplayer einen fairen Wettbewerb zu organisieren.


Gibt es eigentlich Tipps, die du den Teilnehmern mit auf den Weg geben kannst?
Ich könnte jetzt sagen, dass man sich an die Originalvorlage halten sollte. (lacht) Aber eigentlich denke ich, dass es wichtiger ist, Spaß an der ganzen Sache zu haben und locker in die Bewertung rein zu gehen. Denn auch unsere Juroren freuen sich, wenn sie mit hilfreichen Tipps den Teilnehmern weiterhelfen können. Und vor allem Neulinge können hier natürlich noch sehr viel lernen. Gerade bei der DCM wird man hinterher eigentlich immer wissen, welche Stärken und Schwächen man in puncto Cosplay hat. Und das bringt einen auch oft persönlich weiter.
 

Man hört aber auch oft, dass die Regeln der DCM zu streng wären...
Wir haben natürlich ein umfangreiches Regelwerk. Und dieses ist auch nötig, um den Teilnehmern einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Einerseits enthält es klare Regeln für die Juroren und die Veranstalter, andererseits kann sich nun mal niemand auf einen Wettbewerb einstellen, wenn es keine klaren Regeln gibt. So wüsste zum Beispiel beim Fußball auch niemand wie, warum und wer einen Ball einwerfen darf, wenn es keine klare Regel dafür gäbe. Klare Regeln sind einfach notwendig, damit der Schiedsrichter/Juror eben nicht nach seiner eigenen Meinung bewertet, wie es ohne klare Regeln doch oft der Fall ist. Hier muss ich allerdings auch gestehen, dass die Punkte Machart, Ähnlichkeit, Präsentation selbst mit vorgezogener Kostümbewertung oft zu schwammig waren. Denn jeder Juror konnte diese Punkte für sich auslegen. So achtete der eine vor allem auf die Näharbeiten, der nächste auf Proportionen, usw. Durch das neu entworfene Bewertungssystem für 2012 ist es allerdings gelungen, auch dies für die Jury gleichzuschalten. Nun sind Bastelarbeiten, Näharbeiten, Farbgenauigkeit, Materialwahl und weitere Punkte fest vorgegeben und jeder dieser Punkte ist exakt 5% wert. Und wie die ersten Wettbewerbe gezeigt haben, sind die Ergebnisse - im Vergleich zu anderen Systemen - unglaublich gleichwertig.
 

Fotograf: AB_the_diablo
Gibt es etwas, worauf du dich im Rahmen des Wettbewerbs immer besonders freust?
Feierabend! (lacht) Nein, also das Schönste für mich ist das gemeinsame Abendessen der Teilnehmer am Abend vor dem Finale. Da herrscht immer eine so harmonische und lustige Stimmung, die ich einfach nur genieße und die mir zeigt, dass sich die Arbeit über die Saison hinweg wieder vollkommen gelohnt hat. Auch ist es einfach nur schön zu sehen, wie viele Teilnehmer inzwischen gute Freunde durch die DCM geworden sind. Das Finale auf der genialen FBM Bühne ist dann natürlich noch der krönende Abschluss der Saison.
 



Wir bedanken uns für das Interview und hoffen, dass Peter die DCM noch lange mit so viel Leidenschaft leiten wird wie bisher.

Freitag, 13. Juli 2012

Interview mit Peter Müller, Organisator der DCM

Heute haben wir ein ganz besonderes Schmankerl zu bieten: Ein Interview mit Peter „KenHopkins“ Müller, einem der Mitbegründer der DCM. Er ist von Anfang an dabei und bis heute der hauptverantwortliche Organisator. Wir haben ihn zu seinen ersten Schritten in der Welt des Cosplay, den Anfängen der DCM und einigen ihrer Hintergründe befragt. Und damit ihr nicht zu lang vor dem Monitor kleben müsst, sondern noch genug Zeit zum Nähen und Basteln habt, werden wir das Interview in zwei Teilen veröffentlichen. Heute geht es vorrangig um die Privatperson Peter Müller. Im nächsten Teil erfahrt ihr dann einiges über die DCM. Also bleibt dabei!

Fotograf: Ham-Si Bui
Peter, du bist ja schon extrem lange in der Cosplayszene vertreten. Wann hast du angefangen, selbst Cosplay zu betreiben?
Angefangen habe ich 1995. Da wusste ich aber noch gar nicht, dass es Cosplay gibt.

Wie ist es denn dazu gekommen? Beim Karneval?
Im Alter von 14 Jahren habe ich angefangen, mich für Animes zu interessieren. In Mannheim gab es einen Comichändler, den ich fast jedes Wochenende mit meinen Freunden besucht habe. Zwei Jahre später kamen wir auf die Idee, dass wir uns ja auch mal verkleiden könnten. Die Wahl fiel auf Figuren aus „Akira“. Mein Freund hat sich eine rote Lederkombi besorgt und ich habe mir ein passendes T-Shirt zugelegt und einen roten Umhang gebastelt, etwas schwarzes Haarspray aufgetragen – und fertig war mein Tetsuo. Das Kostüm war so schlecht, das würde heutzutage wahrscheinlich keiner auf Animexx frei schalten. (lacht)

Fotograf: Hans-Christian Blech
 
Aber du hast dich in den folgenden Jahren extrem verbessert. Wenn man an Kostüme wie Vivi oder den Kaktor denkt ... Da wurden auch Beleuchtung und ausgeklügelte Belüftungssysteme eingebaut.
Wenn die Belüftungssysteme ausgeklügelt gewesen wären, hätten die Ventilatoren nicht mitten auf der Con den Geist aufgegeben. (lacht) Aber das war halt meine Hauptzeit. Damals war die Szene noch mehr von „Näh-Menschen“ bevölkert und ich war schon immer eher ein „Bastel-Mensch“ und weniger der große Näh-Freund. Ich wollte hierbei immer neue Techniken ausprobieren, die ich vorher noch nie eingesetzt hatte oder die es so vorher noch nicht gab. Und deshalb wurden meine Arbeiten immer etwas aufwändiger und auffälliger. Bei Kaktor war es zum Beispiel so, dass ich dachte: „Kaktor ist lustig, den machst du einfach mal.“ In meinem Kopf entstand gleich ein halbwegs guter Plan zur Umsetzung. Mich mit einem Charakter zu identifizieren war mir hingegen generell nie so wichtig.

Konntest du dich in den aufwändigen Sachen denn gut bewegen? Bei Vivi bist du ja viel auf den Knien herumgerutscht.
Bei der Gelegenheit habe ich auch viele fremde Füße kennengelernt. Einerseits aufgrund meines eingeschränkten Sichtfeldes, das etwa einen Meter betrug. Andererseits bemerkten leider auch nicht alle, dass ich mich auf den Knien fortbewegte und meine Beine nach hinten auf der Straße lagen. Richtig unangenehm war dann folgende Begegnung: Ein Fahrradfahrer hatte meine unteren Extremitäten übersehen und fuhr mir einfach mal über die Füße. Das hat ihn ausgebremst und mir ziemlich weh getan.
Fotograf: AB_the_diablo

Derzeit betreibst du Cosplay aber gar nicht mehr aktiv?
Dafür habe ich leider keine Zeit mehr. Zwar sind da super Ideen in meinem Kopf, aber gerade die Organisation der DCM - denn auch das möchte ich natürlich 100%ig erledigen - frisst hier meine komplette Freizeit.

Du bist bei Animexx aktiv, du bist der Organisator der DCM, du bist beruflich selbständig ... Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Das Zeitmanagement ist bei mir wirklich das größte Problem. Ich arbeite auch regelmäßig an Wochenenden durch und muss aktuell auf Urlaub verzichten. Freizeit habe ich eigentlich nur an den Wochenenden, an denen ich bei meiner Freundin bin oder sie bei mir.

Gehst du denn auch noch zum Spaß auf Conventions oder nur noch zum Arbeiten?
Das letzte Mal rein privat unterwegs war ich 2007 oder so. Inzwischen bin ich eigentlich nur noch mit der DCM beschäftigt, nehme an Panels zur DCM teil oder treffe mich mit Dani, Björn, Wolle und anderen, um den Wettbewerb zu organisieren. Gelegentlich helfe ich ansonsten auch noch anderen Cons bei der Umsetzung ihres Cosplay-Wettbewerbs, für welche ich das DCM-Regelwerk in zwei abgespeckten Fassungen zusammengefasst habe. „Nur noch zum Arbeiten“ würde ich dennoch nicht sagen. Denn ich treffe natürlich immer sehr viele Freunde und fachsimple mit anderen Cosplayern. Außerdem macht es mir natürlich auch Spaß, die DCM als einen von seiner Art her einzigartigen Wettbewerb zu organisieren.

Fortsetzung folgt...